WAMS bei der TRA Konferenz 2018 (DE)

Wien, April 2018:


Im Rahmen der Europäischen Transport Research Arena 2018 vom 16. bis 18. April 2018 wurde das Wasserstraßenmanagementsystem (WAMS) der Öffentlichkeit vorgestellt und gezeigt wie mit Predictive Maintenance die Herausforderungen von morgen auf der Wasserstraße Donau schon heute erkannt und gelöst werden können.


Präsentation des WAMS am Stand der viadonau (Bild: viadonau)

„Die Donau ist ein sehr dynamisches Verkehrssystem mit einem entsprechenden Eigenleben. Umso wichtiger ist es, dafür Tools und Daten so bereitzustellen, dass man die Herausforderungen von morgen schon heute erkennen und lösen kann.“


Priv.-Doz. Dipl.-Ing. Dr. techn.

Markus Hoffmann



Konsequente Digitalisierung:

Die Verkehrswelt verändert sich stetig und kreiert neue Perspektiven. Im dynamischen Gefüge der Verkehrsträger im europäischen Transportnetz punktet die Binnenschifffahrt mit hohen Ladekapazitäten, störungsarmen Verkehrsbedingungen und Umweltfreundlichkeit. Für viadonau ist längst klar: Voraussetzung dafür ist eine zuverlässige und vorausschauende Instandhaltung. Die beste Strategie: konsequente Digitalisierung, die bei den Nutzerinnen und Nutzern der Wasserstraße ankommt.


Die Donau liegt im Trend:

Im Jahr 2017 wurden laut Statistik Austria 9,6 Millionen Tonnen Güter auf der österreichischen Donau transportiert – ein Plus von sechs Prozent oder einer halben Million Tonnen im Vergleich zum Vorjahr. Die Zahlen beweisen die hohe Nutzungsqualität und zugleich ein solides Interesse der Transportwirtschaft, sowohl Massen- als auch Stückgüter über die Donau zu befördern. Zu den am häufigsten transportierten Güterarten zählen forstwirtschaftliche Güter und Erdölerzeugnisse sowie Erze und Metallabfälle. Hinter der täglichen Funktionsfähigkeit der Wasserstraße steckt besonderes Know-how. Klar – ein fließender Transportweg stellt ganz eigene Anforderungen an seine Instandhaltung und Pflege. Wie für Straße und Schiene gilt auch an Wasserstraßen: Zustand, Verfügbarkeit und Kosten bestimmen die Nutzung. Was wie eine Binsenweisheit klingt, hat für die Expertinnen und Experten, die täglich dafür sorgen, dass der Fluss sicher befahren werden kann, besondere Bedeutung. „An der Donau arbeiten wir mit einem sehr dynamischen Verkehrssystem, das ein entsprechendes Eigenleben hat“, erklärt Markus Hoffmann, Verkehrswissenschafter der Technischen Universität Wien und Geschäftsführer von Hoffmann Consult und als Projektpartner treibende Kraft bei der Entwicklung des von viadonau betriebenen „Waterway Asset Manage- ment System“ (WAMS).


Der Experte weiß: Neben den konkurrenzlosen Stärken des Flusses, wie großzügige räumliche Verhältnisse und hohe Belastbarkeit, ist er gleichzeitig auch ein lebendiges Verkehrssystem, ein vielfältiger Naturraum für eine einzigartige Pflanzen- und Tierwelt, die auf empfindliche Weise mit der Entwicklung des Stroms verbunden ist. Allein schon mit seiner Kraft verändert sich der Fluss praktisch täglich und damit auch die Rahmenbedingungen für den sicheren Schiffsverkehr. „Umso wichtiger ist es, bei der Entwicklung Wasserstraßen-Management-Systems für die Donau Tools und Daten so bereitzustellen, dass man die Herausforderungen von morgen – wirtschaftliche wie ökologische – schon heute erkennen und lösen kann“, ist Hoffmann überzeugt. Der Schlüssel dafür liegt für den Verkehrsexperten in der konsequenten Digitalisierung der Donau. Die Strategie dahinter: umfassende Daten für optimal maßgeschneiderte Instandhaltung und lückenloses Monitoring. Nur so könne man mit der Dynamik des Flusses Schritt halten und die Binnenschifffahrt als verlässliche Transportalternative dauerhaft positionieren.


Schiffsverkehr und Schleusung auf der Donau (Bild: viadonau)

Gläserner Strom:

Ein natürliches Verkehrssystem digital erfassen? Bei viadonau gibt man dem Fluss seit vielen Jahren ein digitales Gesicht – mit modernen Vermessungs- und Informationstech- nologien, wie Multibeam-Echolot und GPS-Erfassung, geht man der Donau buchstäblich auf den Grund. Der aktuelle Zustand des Flussbetts und die Wirkung der Strömungskraft lassen sich dabei ebenso untersuchen wie der Einfluss wasserbaulicher Maßnahmen. Das eigentlich Entscheidende ist jedoch, die gewonnenen Daten nicht nur zu sammeln, sondern diese in ein ganzheitliches Informationskonzept zu gießen und daraus sinnvolle und nachhaltige Maßnahmen abzuleiten. Wo entstehen aktuell Seichtstellen? Welchen Einfluss haben Wasserbauten wie Buhnen und Leitwerke auf die Fließ- und Geschiebedynamik des Stroms? Welche spezifischen Wege wählen die Kapitäne eigentlich entlang der Fahrrinne? Für die Experten für Wasserstraßen-Management bei viadonau lautet das Schlüsselwort: vorausschauen. Beispiel proaktives Geschiebemanagement. Dort, wo die Donau aufgrund der Stauräume zu viel Kies anhäuft, wird dieser abgetragen und an geeigneter Stelle wieder zugegeben.

Auch durch das Aufschütten ganzer Inseln, wie im Furtbereich Rote Werd östlich von Wien, wird das Fließverhalten gezielt beeinflusst und der Entstehung kritischer Seichtstellen vorgebeugt. Gleichzeitig werden dabei neue Naturhabitate für Pflanzen und Tiere geschaffen. Möglich gemacht werden die punktgenauen Maßnahmen durch die innovative Verknüpfung unter- schiedlichster Informationen von Pegelmessstellen und Messschiffen, aber auch Schiffsnavigationsdaten im Waterway Asset Management System – WAMS – ein Präzisionsinstrument für integrative und nachhaltige Lösungen im täglichen Betrieb des Wasserstraßen-Managements an der Donau. Für den Verkehrsexperten Markus Hoff- mann ist klar: „Die Entwicklung des WAMS wäre ohne fachübergreifendes Teamwork nicht möglich gewesen und ist ein Beispiel für gelebte Unternehmenskultur bei viadonau.“

Anonymisierte Auswertung des Schiffsverkehrs als Heatmap im WAMS (Bild: viadonau)

In der Forschungsarena TRA2018:

Zeigt her eure Transportinnovationen. Bei der „Transport Research Arena“ in Wien präsentierten sich Unternehmen aus dem Bereich Mobilität einmal mehr von ihrer besten Seite – und diese ist – wenig überraschend – meist digital. Von vernetzter Elektromobilität über digitale Verkehrssicherheitssysteme bis zu modernen Logistiksoftware-Lösungen stand Europas größte Verkehrsforschungskonferenz von 16. bis 19. April ganz im Zeichen der Digitalisierung. Beim Schaulaufen der Verkehrsträger und ihren Neuheiten zeigte sich viadonau in kalkuliertem Understatement und setzte stattdessen auf Information und praxisorientiertes Know- how. Denn: Bei Europas führendem Wasserstraßeninfrastrukturbetreiber halten digitale Innovationen längst Einzug. Neben den „River Information Services“ (RIS) zu topaktuellen Daten für die Binnenschifffahrt weist viadonau in Sachen nachhaltiges und vorausschauendes Wasserstraßen-Management mit WAMS derzeit einen der höchsten Entwicklungsstände weltweit auf. Ein Grund dafür liegt in der peniblen Vermessungsarbeit. Das viadonau-Messschiff „Epsilon“ sollte bei der Transport Research Arena nicht nur Interesse bei den Besucherinnen und Besuchern wecken. Mit der modernsten Multibeam-Anlage der viadonau-Flotte sendete das siebeneinhalb Meter lange Boot eine klare Botschaft an potenzielle Nutzerinnen und Nutzer der Wasserstraße. „Unser Ziel ist es, den Kundinnen und Kunden eine Wasserstraße zur Verfügung zu stellen, die man jederzeit bedenkenlos nutzen kann. Die Daten unserer Messschiffe sind dafür besonders wichtig. Sie stehen am Anfang jeder Instandhaltungsmaßnahme an der Donau“, betont Markus Simoner, Leiter des Wasserstraßen-Managements bei viadonau. Eng eingebunden in die Entwicklung von WAMS, kennt der Experte sowohl die Herausforderungen als auch die Chancen der Digitalisierung eines so wandelbaren Verkehrssystems genau. „Die Donau präsentiert sich jeden Tag neu. Die Kunst besteht darin, täglich vom Fluss zu lernen und zugleich proaktive Maßnahmen zu setzen, also Probleme schon dann zu lösen, bevor sie zur Wirkung kommen. Ohne sinnvolle digitale Systeme ist das heute kaum noch denkbar.“


Digitaler Alleskönner WAMS:

Sinnvolle Digitalisierung an der Donau heißt also, den Fluss nicht nur digital zu erfassen, sondern ihn auch zu verstehen. Genau das gelingt mit WAMS. Als Forschungsprojekt 2012 gestartet, ist das digitale Informations- und Monitoringsystem seit 2015 im Regelbetrieb. Um den vielfältigen Aktivitäten der Wasserstraßeninstandhaltung gerecht zu werden, wurde das System seither bereits gezielt erweitert. „Regelmäßige Updates schärfen das System etwa bei den wechselnden Anforderungen eines treffsicheren Geschiebemanagements, aber auch bei anderen wasserbaulichen Aktivitäten wie an Buhnen und Leitwerken“, führt Simoner aus. WAMS hilft einerseits bei der möglichst präzisen Planung der wasserbaulichen Maßnahmen, verarbeitet aber auch Navigationsdaten der Schifffahrt. Die Verkehrsdaten zeigen die konkrete Nutzung der Wasserstraße und geben so Aufschluss über die Wirkung von Instandhaltungsmaßnahmen. Simoner: „Mit Informationen darüber, welche Wege die Schiffe auf der Donau genau nehmen, erfüllt WAMS eine wichtige Feedback-Funktion. Das unterstützt uns dabei, notwendige Eingriffe an der Wasserstraße noch bedarfsgerechter und präziser zu gestalten.“ Die Daten, mit denen die Expertinnen und Experten bei viadonau arbeiten, nützen aber nicht nur der Instandhaltung der Fahrrinne, sondern auch ihrer Befahrung. Was einst als leuchtendes Pixel auf den Monitoren der Messschiffe begann, soll Schifffahrtstreibenden schließlich als wertvolle Information über aktuelle Bedingungen auf der Donau dienen. In den Donau River Information Services (DoRIS) werden die Daten userfreundlich aufbereitet und können auch über die DoRIS-App ortsungebunden abgerufen werden. So entsteht schließlich ein geschlossener digitaler Kreislauf von der Erhebung über die Instandhaltung hin zur sicheren Nutzung.


Anonymisierte Auswertung des Schiffsverkehrs als Heatmap im WAMS (Bild: WAMS)
Digitalisierung der Wasserstraße Donau auf der TRA 2018 in Wien mit BM Hofer (Bild: viadonau)

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